„Dafür bist du verantwortlich.“
Ein Satz, den wir schnell sagen – im Unternehmen, in der Familie oder im Alltag. Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir nach jemandem, der zuständig war.
Aber ist Zuständigkeit schon Verantwortung?
Ich habe oft erlebt, dass Menschen für Ergebnisse verantwortlich gemacht wurden, obwohl sie kaum die Möglichkeit hatten, diese zu beeinflussen. Eine Führungskraft erwartet eine Entscheidung, hat den Handlungsspielraum aber vorher stark begrenzt. Ein Mitarbeiter soll für ein Ergebnis geradestehen, durfte über die entscheidenden Mittel jedoch nicht verfügen.
Deshalb interessiert mich eine andere Frage:
Wer hatte welchen Handlungsspielraum?
Das ist keine Entschuldigung. Im Gegenteil: Die Frage macht Verantwortung genauer.
Denn manchmal zeigt sie auch: Da war durchaus ein Handlungsspielraum – aber jemand hat ihn nicht genutzt.
Beides gehört für mich zusammen.
Bevor wir also fragen: Wer ist verantwortlich?, sollten wir genauer hinsehen: Was war die Wirklichkeit? Welche Möglichkeiten bestanden? Wer konnte tatsächlich entscheiden?
Denn Verantwortung braucht Handlungsspielraum.
Kann ich jemanden für ein Ergebnis verantwortlich machen, wenn ich ihm den notwendigen Handlungsspielraum nicht gegeben habe?